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Wie arbeiten wir in Zukunft?

26
Sep

Wie arbeiten wir in Zukunft?Das ist eine sehr spannende Frage. Denn in dieser steckt auch eine Annahme darüber, was in Zukunft erarbeitet und produziert wird. Wenn wir den Wirtschaftsexperten Vertrauen schenken, liegt die Zukunft Deutschlands in der Produktion von Dienstleistungen. Immaterielle Leistungen wie Planung, Entwicklung, Beratung, Betreuung und Service haben eine Gemeinsamkeit: mehr Wissensmanagement als Handwerk.

Wir werden Wissen sammeln, organisieren, interpretieren und entwickeln. Wir werden über gigantische Datenbanken und Informationsspeicher grenzenlos und jederzeit verfügen können. Aber eines können wir nicht: Uns Wissen auf Vorrat aneignen. Der Charakter einer Dienstleistung ist eben, dass deren Produktion mit dem Konsum zusammenfällt. Daher giert unsere Informations- und Wissensgesellschaft geradezu nach einer flexiblen und raschen Verfügbarkeit von Wissen.


Früher war alles anderes – aber nicht unbedingt besser

Wissen verfügbar machen, genau das ist mein Job. Ich bin ein Kind der 70er Jahre, einem Zeitalter ohne PC, Kontoauszugsdrucker, Google, und an der Tankstelle konnte man nur bar bezahlen. 40 Jahre später mache ich meine Bankgeschäfte und meine Literaturrecherche bequem von Zuhause und zahle selbstverständlich mit einem Stück Plastik die horrende Spritrechnung. Diese Beispiele zeigen, wie sich unsere Ansprüche und Herausforderungen in den letzen Jahren verändert haben – auch und gerade im Job.

Bildquelle: CC-BY spreeblick.com| flickr.com

Vor zwei Jahren stand ich noch bepackt mit Flipchartrolle, Beamer und Moderationskoffer am Bahnsteig, um ein Führungskräftetraining in einem dieser anonymen Seminarhotels durchzuführen. Meine Teilnehmer waren ebenfalls von der Anreise gestresst, schauten reflexartig alle drei Minuten in ihren SMS-Eingang, und die Mittagspause war angefüllt mit hektischen Anrufen im Büro. Während der restlichen Zeit am Nachmittag kreisten ihre Gedanken um Projekt, Kunden oder Aufträge. Ich merkte das immer daran, wenn mein Trainerinput sie gelegentlich aus ihrer Versunkenheit riss und sie mich mit einem „Wo bin ich hier“-Blick anschauten.

Lernen, sich mit Wissen auseinandersetzen und zu reflektieren, fand eher sporadisch und zufällig statt. Was sich auch im Praxistransfer der Trainingsinhalte im beruflichen Alltag zeigte. Resultat: unzufriedene Teilnehmer, Auftraggeber und Trainer.

Aber was verhindert hier die erfolgreiche Wissensvermittlung? In vielen Unternehmen wurde in den letzten Jahren das Personal bis zur Schmerzgrenze durchrationalisiert. Zwar singen fast alle Unternehmen das hohe Lied des lebenslangen Lernens, jedoch darf es dabei eines nicht kosten: Zeit.

Die Teilnehmer spiegeln mir wiederum, dass sie gerne mehr Zeit investieren würden, um die eigene Weiterbildung und Karriere zu sichern.

Wie kann ich dieses Dilemma lösen? Mal angenommen, nicht die Zeit, sondern der Zeitpunkt ist das Problem, dann wäre eine mögliche Antwort:
Flexibilität.
Zeit für Wissen schaffen

Lernen kann nicht mehr unbedingt nur starr im Seminarraum stattfinden, zu eingebunden, unverzichtbar ist der einzelne Mitarbeiter im Arbeitsprozess.

Damit ich diese Flexibilität anbieten kann, setze ich auf Learning Management Systeme (LMS). E-Learning, Präsenzveranstaltungen, Collaborations-Tools ermöglichen das Angebot einer Wissensproduktion, wann immer der Teilnehmer Zeit hat. Ich richte mich nach dem Teilnehmer: Wenn er den Kopf frei hat für Neues, werde ich ihn dabei begleiten.

Dafür setze ich auf Funktionen von Facebook, Google+, Apps, Chats, Blogs, Wikis, Clouds und Webinare. Diese ganzen Instrumente nutze ich bereits bei der Durchführung eines Führungskräfteprogramms bei 3C DIALOG.

Ich mache mir jetzt weniger Gedanken, wie das Layout der Trainingsunterlagen zu gestalten ist, als vielmehr, welche der multimedialen Quellen ich für meine E-Learning-Module nutzen kann, oder sogar selbst produziere.

Vor einer Gruppe stehen und moderieren? Kein Thema für mich! Ein Webinar mit einer virtuellen Gruppe per Webcam zu moderieren, ist eine neue Erfahrung. Teilnehmer für ein Thema zu motivieren, ist mein tägliches Brot. Neu ist für mich, die vorhandenen Schwellenängste im Umgang mit Collaborations-Tools zu nehmen. Ich bin nicht nur Trainer, sondern Wissens-, Zeit-, Medien- und Social-Media-Manager für meine Teilnehmer.
Drei Wünsche an die Zukunftsfee

Um die steigenden Ansprüche an Wissen und dessen Verfügbarkeit zu erfüllen, brauche ich:

  1. Ein Arbeitsumfeld, das frei von räumlichen Zwängen ist. Es ist hilfreich ein Homeoffice zu haben, um auch abends für Teilnehmer zur Verfügung stehen zu können.
  2. Ein kleines Multimedia-Studio, um Podcast, Filme, Bilder selbst in der gewünschten Qualität herstellen zu können.
  3. Smartphones, welche so leistungsfähig sind, dass sie E-Learning-Einheiten abrufbereit darstellen können.

Wie genau mein berufliche Zukunft aussehen wird? Flexibel!

thomas-halbritter@3c-dialog.de'

Author: Thomas Halbritter

Kommentare

  • mail@bernd-slaghuis.de'
    26. September 2011

    Ja, aber …

    Ich bin auch ein Kinder der 70er und Fan aller technischen Neuheiten und deren Nutzung im täglichen Leben. Die Neuen Medien und damit auch die neuen Möglichkeiten der Wissenvermittlung und -verbreitung erhöhen das Temo des Lernens und bilden die besten Voraussetzungen für Wissenschaft und Forschung.

    Aber … spielen nicht gerade im Trainings- und Seminarbereich auch Gruppenprozesse eine entscheidende Rolle? Wenn ich einmal von Live-Chat-Funktionen absehe, bei denen die Teilnehmer untereinander kommunizieren (und sich ggf. auch sehen können), reduziert sich die Kommunikation doch i.d.R. auf sehr unpersönliche und emotionsarme Begegnungen.

    Ein weiterer wichtiger Aspekt gerade im Trainings-Sektor ist aus meiner Sicht der Aufbau einer persönlichen Beziehung zwischen Wissensvermittler und Lernendem. So wie im Coaching sollte ein Rapport als Grundlage für eine gute Beziehung hergestellt werden. Über Skype, Apps oder andere Online-Kanäle sehe ich diese Möglichkeiten als sehr begrenzt an, da das Gegenüber nicht im Ganzen wahrgenomen werden kann. Sicherlich gibt es auch hier Möglichkeiten (oder wird es geben), solange ich bei Webinaren aber über eine Stunde nur das Gesicht des Trainers in Großaufnahme oder ihn/sie starr am Schreibtisch sitzen sehe, tue ich mich mit der Wissensaufnahme recht schwer 😉

    Mein persönliches Fazit: Die neuen Medien und die Online-Kommunikation bieten für bestimmte Inhalte und Arten der Wissensvermittlung eine große Vielfalt an guten Funktionalitäten, insbesondere um räumliche Distanzen zwischen Teilnehmern zu überwinden und Wissen zu jeder Zeit verfügbar zu machen. Auch das Thema „Flexibilität“ ist sicher ein großer Pluspunkt. Eine Abkehr vom klassischen Seminar oder dem persönlichen Coaching- oder Trainings-Gespräch kann ich mir persönlich nicht vorstellen. Dafür sind die positiven Effekte, die eine Gruppe im Seminarraum oder ein persönliches Gespräch (Auge in Auge) mit sich bringt, zu wertvoll, um sie der Online-Cyber-Welt zu opfern.

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