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Streitthema Mindestlohn

24
Feb
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Nichts wurde in jüngster Zeit in der großen Koalition kontroverser diskutiert als der geplante gesetzliche Mindestlohn. Befürworter und Gegner sind sich einig, dass die Einführung eines flächendeckenden Mindestlohns nachhaltige Veränderungen des Arbeitsmarktes mit sich bringt. Die Pro-Seite sieht die Gleichberechtigung der Arbeitnehmer im Vordergrund, wohingegen die Kontra-Seite unter anderem einen erheblichen Stellenabbau befürchtet. Die Argumentationsliste ist lang und zieht sich auf politischer Ebene sowie bei Interessenverbänden von Arbeitnehmern und Arbeitgebern wie ein endloser Faden durch die Agenda.

Quelle flickr MaretH. - cc by 2.0
(Bildquelle: flickr. – 2.0 Generic (CC BY 2.0) – MaretH.)

Die Entscheidung für einen flächendeckenden Mindestlohn ist gefallen: Ab 2015 soll es so weit sein, tarifliche Abweichungen sind bis 2017 möglich. Jetzt geht es um die praxisgerechte Ausgestaltung – ein wichtiger Punkt für den Niedriglohnsektor. Denn es wird darüber entschieden, wie stark die Lohnuntergrenze die einzelnen Unternehmen treffen wird. Wie sieht es beispielsweise beim Dialogmarketing oder in Callcentern aus, die ohnehin mit schwarzen Schafen und Lohndumping-Vorwürfen zu kämpfen haben? Mittlerweile sind rund eine halbe Million Mitarbeiter in Callcentern beschäftigt – die dynamische und innovative Branche ist ein Wachstumsmarkt, doch es fehlen Mitarbeiter und oftmals das passende Budget.

Der Mindestlohn spaltet die Lager

Der Call Center Verband (CVV) steht einem gesetzlichen Mindestlohn positiv gegenüber. Dieser soll dazu beitragen, dass der vorherrschende ruinöse Preiswettbewerb innerhalb der Branche gestoppt wird. In einer Umfrage des CCV sprachen sich 77 Prozent der Mitglieder für einen Mindestlohn aus – im Mittel 8,60 Euro. Hier soll vorrangig dem Lohndumping in der Callcenter-Branche der Riegel vorgeschoben werden. Der Verband sieht den Mindestlohn aus betrieblichen und volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten als zwingend notwendig an, um Mitarbeiterausbeutung zu vermeiden. Erst dadurch kann der Weg für eine realistische und faire Preispolitik und die damit einhergehende qualitativ hochwertigere Dienstleistung geebnet werden. Schwarze Schafe werden es in Zukunft durch einen flächendeckenden Mindestlohn schwer haben, und das Risiko eines Marktungleichgewichts wird somit vermindert.

Trotzdem sollte es nach Meinung des CCV Einschränkungen beim Mindestlohn geben, etwa für Praktikanten oder Auszubildende. Die zentrale Forderung lautet: eine sinnvolle Ausgestaltung des Mindestlohns mit dem richtigen Augenmaß.

Der DDV fordert eine differenzierte Betrachtung

Der Deutsche Dialogmarketing Verband (DDV) steht dem Mindestlohn bedeutend kritischer und differenzierter gegenüber. DDV-Vizepräsident Patrick Tapp legt den Fokus auf den Wert der Arbeit, der bei geringfügigen Beschäftigungen anders berechnet werden soll: „Eine Gleichbehandlung mit einem regulären Angestelltenverhältnis ist weder leistungsgerecht noch gerechtfertigt. Diese Pauschalisierung wird den Arbeitsstrukturen vieler Branchen nicht gerecht.“
Auch der DDV fordert also Ausnahmen beim flächendeckenden Mindestlohn. Denn diese seien sinnvoll zur Sicherung eines stabilen Arbeitsmarktes. Dabei sind insbesondere die Verträge von Beschäftigten gemeint, bei denen es nicht um die Existenzsicherung, sondern lediglich um einen Zuverdienst ginge, beispielsweise bei Rentnern. Der DDV ist der Ansicht, dass Ausnahmen zum Gesetzesentwurf im Dialog mit Arbeitnehmern und Arbeitgebern festgelegt werden sollten, da eine ausbleibende differenzierte Betrachtung Arbeitsplätze gefährden könne. Kundenservice sei „ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und bietet höchsten Verbrauchernutzen“.

Beim Thema Mindestlohn gibt es ohne Frage viel Gesprächsbedarf. Die Tarifpolitik – insbesondere in der Callcenter-Branche – gestaltet sich schwieriger als gewünscht. 2011 wurde schon über die Einigung zur Gründung eines Arbeitgeberverbandes „zur Einführung eines allgemeinverbindlichen tarifvertraglichen Mindestlohns“ gejubelt. Der Prozess ist heute – zwei Jahre später – noch nicht abgeschlossen. Der Startschuss für den gesetzlich flächendeckenden Mindestlohn fällt in knapp einem Jahr. Die Vereinbarung sieht lediglich tarifliche Abweichungen bis 2017 vor, doch von Ausnahmen für bestimmte Arbeitnehmergruppen ist (noch) nicht die Rede. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di fordert weiterhin einen Arbeitgebervertrag und tarifliche Bestimmungen; der CCV hat von dieser Idee mittlerweile Abstand genommen, seitdem der Mindestlohn beschlossen wurde.

Wie sich die Callcenter-Branche mit der Einführung eines Mindestlohns verändern wird, bleibt abzuwarten, denn die Konsequenzen greifen auf verschiedenen Ebenen und sind sehr komplex. Die Zukunft wird zeigen, wie die Branche mit einem Mindestlohn umgeht und wohin die wirtschaftliche Entwicklungen führen wird. Es bleibt in jedem Fall spannend.

Author: Ines Domernicht

Als Leiterin für den Bereich Personal und Recht unterstützt Ines Domernicht den Unternehmensverbund seit 2011. Bei der 3C DIALOG GmbH ist sie verantwortlich für die Standorte Köln und Saalfeld.

Kommentare

  • katrin.mueller@finanznachrichten.de'
    6. August 2014

    Grundsätzlich sehe ich den Mindestlohn als einen sehr wichtigen Schritt in die richtige Richtung. Hier muss sich allerdings in vielen Bereichen noch einiges mehr verändern und ob dies tatsächlich bedacht und auch umgestzt wird, bleibt abzuwarten. Die Zeit wird zeigen, was in den einzelnen Brachen am Ende tatsächlich alles passiert.

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