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Sonn- und Feiertagsarbeit in der Callcenter-Branche – Wie soll´s weiter gehen?

Sonn- und Feiertagsarbeit in der Callcenter-Branche – Wie soll´s weiter gehen?
26
Mrz

Nach dem Verbot der Sonn- und Feiertagsarbeit durch das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts Hessen Ende 2014 fordern die Branchenvertreter klare rechtliche Rahmenbedingungen für die Call- und Contactcenter-Wirtschaft. Aus diesem Grund hat das Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen am 25. März Vertreter der Arbeitgeberseite, der Branchenverbände CCV und DDV und der Gewerkschaften zu einem Gedankenaustausch über die Auswirkungen des Urteils eingeladen. Erwartungsgemäß stand im Mittelpunkt des Dialogs die Frage, wer künftig noch an Sonn- und Feiertagen arbeiten darf und ob insbesondere Callcenter an diesen Tagen noch Gespräche, E-Mails etc. annehmen und bearbeiten dürfen.

Bundesweit einheitliche Rechtslage erforderlich

Auch wenn zunächst nur das Bundesland Hessen von der Gerichtsentscheidung betroffen ist, kommen wir nicht um eine bundesweite einheitliche Regelung herum. Das Bundesverwaltungsgericht Hessen stützt sich bei seiner Entscheidung insbesondere auf die Bedarfsgewerbeverordnung, bei der Fragestellung spielen aber auch weitere Rechtsquellen eine nicht unerhebliche Rolle. Dass die Ermittlung einer verbindlichen und allgemein gültigen Rechtslage ein weites und herausforderndes Feld für alle Juristen ist, hat der gestrige Termin deutlich gezeigt.

Gegensätzliche Erwartungen treffen aufeinander

Während des Austauschs zeigten sich schnell die sehr unterschiedlichen Erwartungen und Interessen der verschiedenen Parteien. Während die Vertreter der Arbeitnehmerseite mit den sich wandelnden Erwartungen der Kunden argumentierten und auf die Gefahr der Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland hinwiesen, schienen sich die Gewerkschaften nicht wirklich darüber im Klaren zu sein, wie global unsere Wirtschaft schon heute funktioniert. Dass das Urteil zum Abbau von Arbeitsplätzen in Deutschland führen könnte, schien den anwesenden Vertretern nicht wirklich bewusst zu sein oder wird billigend in Kauf genommen. Dabei stellt die Ermöglichung von flexiblen Arbeitszeiten einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft dar.

Müssen Mitarbeiter „geschützt“ werden?

Es stellt sich die Frage, ob die Mitarbeiter überhaupt vor Arbeitszeiten an Sonn- und Feiertagen „geschützt“ werden müssen. Aus Arbeitgebersicht wissen wir, dass viele Mitarbeiter bevorzugt gerade zu den beanstandeten Zeiten arbeiten möchten. Denn viele Menschen haben viel flexiblere Lebensentwürfe, als man sich gemeinhin vorstellt. Für viele ist das Arbeiten an Sonn- und Feiertagen nicht zuletzt aufgrund von Zuschlägen besonders attraktiv. Eine Regulierung durch den Gesetzgeber geht deshalb an den Bedürfnissen der Betroffenen vorbei.

Keine Einigung, aber Fortsetzung des Dialogs

Obwohl unter den an der Diskussion teilnehmenden Parteien keine vollständige Einigung erreicht werden konnte, wurde der Gedankenaustausch durch die Gastgeber sehr gut und überzeugend gestaltet. Der Dialog wurde sehr sachkundig und souverän moderiert und bot ausreichend Gelegenheit, die verschiedenen Blickwinkel auf das Thema darzustellen und die komplizierten juristischen Rahmenbedingungen zu verdeutlichen. Für Ende April ist eine Fortsetzung der Gespräche vorgesehen. Es bleibt zu hoffen, dass wir damit unserer Forderung nach einer einheitlichen Regelung und Rechtssicherheit für die Branche ein Stück näher kommen.

Author: Walter Benedikt

Walter Benedikt ist seit 2000 für unser Unternehmen als Geschäftsführer tätig und betreut die Standorte Köln & Saalfeld.

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