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Software as a Service und die Pleite von EinsteiNet

16
Mrz

2003 verabschiedetet sich das Unternehmen EinsteiNet in Hamburg mit hohen Verlusten vom Markt – mit einer Idee, mit der 2009 acht Milliarden US-Dollar umgesetzt wurden.

Die Idee heißt: Software as a Service. Software wird also nicht als Lizenz gekauft und auf dem PC installiert, sondern als Dienstleistung über das Internet genutzt. Jeder, der einmal einen webbasierten E-Mail-Dienst genutzt hat, kennt das Prinzip. Anstatt einen lokalen E-Mail-Client zu nutzen, liegen die E-Mails im Web und können dort bearbeitet werden. Statt teurer Anschaffungskosten zahlt man nur eine monatliche Gebühr – Wartung und Aktualisierung der Software sowie Speicherplatz inklusive. Oder wie im Fall der Webmailer-Dienste sind viele Lösungen sogar umsonst. Darauf bin ich meinem Blogpost zum Thema Cloudcomputing schon eingegangen.

Auch Communities wie Xing oder Facebook, Dienste wie Youtube oder Twitter sind im Prinzip Software-as-a-Service-Modelle. Die Idee ist so logisch, dass man sich fragt, wieso da niemand früher drauf gekommen ist, wobei wir wieder bei EinsteiNet wären. Wird uns hier alter Wein in neuen Schläuchen verkauft oder war EinsteiNet einfach zu früh dran?

Am Ende hatte EinsteiNet 350 Millionen Euro in den Sand gesetzt. Grund dafür waren einfach zu wenige Kunden, die sich für diese Idee begeistern ließen. Aufgrund der hohen Investitionen (150 Millionen Euro) wäre ein schnell wachsender Kundenstamm aber notwendig gewesen, um auch weiterhin liquide zu bleiben. Die Datenanbindung sollte über Glasfaserkabel in ein Hightech-Rechenzentrum am Hamburger Flughafen realisiert werden. Die hätte man auch dringend gebraucht, denn die Übertragungsraten standen im Jahre 2003 nicht überall ausreichend zur Verfügung und waren um ein Vielfaches teurer als heute.

Und da sind wir wahrscheinlich auch beim Grund angelangt, warum EinsteiNet Insolvenz anmelden musste: Sie waren vermutlich zu früh dran. Erst heute im Zeitalter der Highspeed-DSL-Flatrates für jedermann ist die Zeit reif für Software-as-a-Service-Modelle, denn diese sind für eine reibungslose Anwendung wichtig. Also sind wir gespannt wie sich Themen wie Software as a Service, Hosted PBX usw. in den nächsten Jahren entwickeln.

Author: 3C-Team

Kommentare

  • felixpiepenbrock@web.de'
    Felix
    1. Juli 2010

    Es gibt neues aus der Politik:

    http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/warteschleifen-bei-hotlines-kuenftig-kostenlos/1863354.html

    Frage an die Fachmänner: Wie aufwendig ist eine Umrüstung damit zukünftig die Warteschleifen kostenlos sind? Müssen die Systeme komplett getauscht werden?

    Herr René Henn von der Bundesnetzagentur ist ja zuversichtlich das in einem Jahr (Mitte 2011) die technischen Voraussetzungen da sein werden und dann auch spätestens umgesetzt werden müssen.
    Ist diese Aussage realistisch?

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