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Mindestlohn für die Callcenter-Branche

6
Jul

„Schuften im Callcenter – für 5,77 Euro pro Stunde“, titelte am Montag die Süddeutsche Zeitung in ihrer Onlineausgabe. Mit diesem Thema beschäftigte sich auch das Bundesministerium für Arbeit in Berlin. Die „DBB Tarifunion“, die für Angestellte zuständige Organisation des Beamtenbundes, habe einen Antrag gestellt, einen Mindestlohn für die Branche der Callcenter zu erlassen, schreibt Autor Detlef Esslinger. Die Bezahlung in den Callcentern wurde schon oft thematisiert. „Sie arbeiten 40 Stunden in der Woche und bekommen dafür monatlich oft nicht mehr als 1.000 Euro brutto“, heißt es in dem Artikel aus der Süddeutschen Zeitung. Auch wenn die Dienstleistungsbranche zu den unteren Einkommensgruppen zählt, erübrigt sich eine Diskussion über ein derartiges Gehalt.

Bildquelle: CC-BY epSos.de | flickr.com

Der schlechte Ruf der Callcenter-Branche rührt insbesondere aus den Erfahrungen der Menschen mit dem Outbound-Geschäft. Das wird auch in den Kommentaren unter dem Artikel deutlich. Sicherlich ist dies nicht nur auf einzelne „schwarze Schafe“ zurückzuführen. Zu oft waren hier Großkonzerne der Telekommunikationsbranche beteiligt. Doch stehen die Auftraggeber ganz klar in der Mitverantwortung.

Einen Punkte, der meines Erachtens ein wenig in den Hintergrund gerückt ist, möchte ich an dieser Stelle noch in die Diskussion einbringen: Der Grund für eine nicht angemessene Bezahlung kann nicht ausschließlich bei den Callcentern selbst, sondern auch beim Auftraggeber gesucht werden. Es stellt sich doch die Frage, welcher Auftraggeber hinter einer Serviceleistung steckt, und was ihm ein Kundendialog wert ist. Sein Anspruch und die damit verbundene Zahlungsbereitschaft bestimmt auch in letzter Konsequenz auch das Gehalt des Agenten. Mit einer Ausnahme: Wenn der Auftraggeber entsprechend gut bezahlt, sich dies aber nicht im Lohn der Agenten widerspiegelt.

Neben den bereits genannten Gründen richten sich die Gehälter unserer Branche nach der Aufgabenstellung, dem Unternehmensstandort und zu einem Großteil auch nach der Unternehmensphilosophie.

Ich stimme einem der Leser zu, der betont, dass insbesondere diejenigen Callcenter ihre Mitarbeiter fair bezahlen und ausbilden können, welche ausgelagerte Servicetätigkeiten für Unternehmen durchführen – die also im Inbound-Geschäft tätig sind.

Wir bei der 3C DIALOG GmbH bezahlen unsere Mitarbeiter deutlich über dem geforderten Mindestlohn. Und das aus gutem Grund: Für einen Stundenlohn von 5,77 Euro sind vernünftige Dialoge mit Sachverstand zwischen einem Agenten/in und einem Anrufer kaum vorstellbar. Die Bearbeitung von E-Mails und einfachen Sachthemen gehört heute schon zur Routine. Aufgrund der steigenden Bedeutung von Social Media im Kundendialog sehen wir uns vor eine neue Herausforderung gestellt: Die Gesamtanforderungen an Mitarbeiter und Organisation werden weiter steigen. Wir sind gespannt, wie sich die gestiegenen Anforderungen mit Niedriglöhnen vereinbaren lassen.

Um eine angemessene Entlohnung und eine besserer Qualität im Kundenservice erreichen zu können, ist ein festgelegter Mindestlohn auf absehbare Zeit die einzige praktikable Lösung. Es wäre wünschenswert, wenn nach den andauernden Förderungen und Subventionen durch die Politik, nun die Rahmenbedingungen wieder mehr in das Blickfeld gerückt würden.

Author: Walter Benedikt

Walter Benedikt ist seit 2000 für unser Unternehmen als Geschäftsführer tätig und betreut die Standorte Köln & Saalfeld.

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