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Im Netz der Mobilität

30
Apr

Das Thema der Vernetzung wird besonders in der digitalen Welt immer präsenter. Angefangen bei der Netzabdeckung über die sozialen Netzwerke und hin zum Internet der Dinge, bei dem sich beispielsweise das Thermostat online den Wetterbericht aufruft und danach einstellt oder ich per Smartphone mein geparktes Auto wiederfinden kann. Momentan veranstaltet die Gothaer eine Blogparade unter der Frage, ob es Mobilität überhaupt noch gibt. Diesen Aufruf werde ich nutzen, um mich mit den unterschiedlichen Arten der Vernetzung im Bereich der Mobilität zu beschäftigen. Denn bisher habe ich die verschiedenen Möglichkeiten lediglich genutzt – ohne mir bewusst darüber zu sein, wie vernetzt meine Fortbewegung eigentlich ist und welche Veränderung meine Mobilität durch das Internet tatsächlich erfahren hat.

„Analoge“ Vernetzung

Mobilität ohne Netz ist schwer vorstellbar. Damit meine ich noch nicht einmal das digitale Netz, denn jeder sollte sich noch daran erinnern, wie – und vor allem dass – Mobilität auch ohne Internet funktioniert hat. Nein, ich meine ganz profan das Wege-, Straßen- und Schienennetz, das eine „professionelle“ Mobilität überhaupt erst ermöglicht. Natürlich kann man sich – gerade zu Fuß – auch über Stock und Stein seinen Weg bahnen, doch das Verkehrsnetz wird immer die Grundlage für jede Art von Mobilität bilden. Wie sehr diese Grundlage den Verkehr beeinflusst, merkt man, wenn etwa eine wichtige Autobahn oder Bahnstrecke gesperrt ist und man Umwege und längere Fahrzeiten in Kauf nehmen muss. Auch von Schlaglöchern gepflasterte Straßen oder schlechter Straßenbelag verderben oft den Spaß am Fahren. Bevor man sich also an den digitalen Möglichkeiten des Verkehrs erfreuen kann, muss zuerst durch das „analoge“ Verkehrsnetz die Grundlage geschaffen werden.

Ist diese Voraussetzung erfüllt, ist es allerdings sehr spannend zu sehen, wie das digitale Netz die Möglichkeiten der Fortbewegung zum Positiven verändert hat. Fahrpläne können online eingesehen werden, durch Smartphones sogar von unterwegs, und eine eventuelle Verspätung wird bestenfalls direkt mit angezeigt, ebenso wie die Umsteigeorte oder alternative Verbindungen. Ich habe schon einige Wege zum Bahnhof viel entspannter zurückgelegt, weil mir bereits online angezeigt wurde, dass meine Bahn Verspätung hat.

3C-Blog

 Bildquelle: Mobility 2.0 via flickr by Joel Müller cc-by-2.0

Mitfahrgelegenheiten als Alternative zur Bahn

Eine Möglichkeit, die erst durch das Internet präsent geworden ist, ist die Mitfahrgelegenheit. Zwar gab es dieses Format natürlich auch schon im analogen Zeitalter – damals hingen Angebote und Gesuche an schwarzen Brettern, bevorzugt von Universitäten. Doch die Suche gestaltete sich deutlich schwieriger als heutzutage, denn der übliche Zettelwust an diesen Brettern machte ein Auffinden nicht immer leicht. Zusätzlich war das Angebot eingeschränkt, denn nicht jeder, der eine Mitfahrgelegenheit anbot, hing seine Zettel auch an jedes Brett. Entscheidet man sich heute für die Mitfahrgelegenheit, gibt man in eines der Mitfahrportale Abfahrts-, Zielort und den Zeitrahmen ein und bekommt eine ganze Liste von Angeboten, die zur Sucheingabe passen. Natürlich braucht man für Fahrten in kleinere Dörfer oder eher abseits gelegene Ziele etwas Glück, ein passendes Angebot zu finden, doch grundsätzlich sind Mitfahrgelegenheiten durch die digitalen Möglichkeiten zu einer echten Alternative für Bahnfahrten geworden. Oft sind sie auch noch günstiger als ein Bahnticket. Ein weiterer Vernetzungsaspekt bei der Mitfahrgelegenheit ist die soziale Vernetzung – ist man in Zug oder Flugzeug eher anonym unterwegs, ist es durchaus üblich, sich im Auto mit den Mitfahrern zu unterhalten. Das kann natürlich auch anstrengend sein, wenn man mit den Mitfahrern nicht auf einer Wellenlänge liegt oder eigentlich nur seine Ruhe haben möchte, zumeist sind die Fahrten durch die Mitfahrer jedoch viel kurzweiliger.

Sharing-Modelle

Doch nicht nur für entferntere Ziele hat sich die Mobilität verändert, auch innerhalb der Stadt hat man nun mehr Möglichkeiten. War man früher ohne Auto auf den ÖPNV oder das Taxi angewiesen, wird das Thema Carsharing in den Städten immer wichtiger. Verschiedene Anbieter machen es einem leicht, für größere Besorgungen oder weitere Wege einen Leihwagen zu nehmen, den man unkompliziert mieten kann und die an fast jeder Ecke stehen. Auch dabei ist das Internet behilflich, denn bevor man auf gut Glück loszieht, um ein Auto zu finden, genügt ein kurzer Blick online oder über die App, wo genau der nächste freie Wagen in meiner Nähe steht, welches Modell es ist und wie der Tankstand ist. Braucht man das Fahrzeug zu einem bestimmten Zeitpunkt, kann man sich ein Auto reservieren. Das gleiche Prinzip gilt auch für die Leihfahrräder, die man in größeren Städten ebenfalls überall stehen sieht und die sehr praktisch sind, um Strecken, die nicht vom ÖPNV befahren werden, zu überbrücken, etwa wenn die Arbeitsstätte ein gutes Stück von der Haltestelle oder vom Bahnhof entfernt liegt. Natürlich erfordern diese Angebote eine Registrierung und die Nutzung kostet Geld, doch sie machen viele Wege deutlich einfacher.

Noch Luft nach oben bei Mobilitäts-Apps

Spannend sind auch die Vernetzungsmöglichkeiten der Verkehrsbetriebe, die bisher jedoch noch größtenteils in den Kinderschuhen stecken. Denn um der breiten und vernetzten Vielfalt an Mobilität Rechnung zu tragen, fehlen meiner Meinung nach noch flächendeckende Angebote, die bei einer Routenplanung eben jene Vernetzung widerspiegeln. Möchte ich also vom Kölner Dom zum Zoo, sollte mir nicht nur die ÖPNV-Verbindung angezeigt werden, sondern ich möchte wählen können, welches Verkehrsmittel ich nutzen möchte – ohne dafür den Anbieter oder die Seite wechseln zu müssen. Perfekt wäre es, wenn man sich nicht mal mehr auf ein Verkehrsmittel festlegen muss, sondern wenn die Beförderungsmittel für eine Route – wenn nötig – miteinander vernetzt werden. Prototypen gibt es in einigen Städten schon, doch diese Angebote und Apps laufen oft nicht fehlerfrei oder beziehen nicht alle Verkehrsmittel mit ein. Schon weit fortgeschritten in dieser Entwicklung ist Hamburg mit Switchh, welches Bus, Bahn und sogar den Fährverkehr zur Routenplanung anbietet. Das Angebot erfordert allerdings neben einem gültigen Abo o. Ä. des Hamburger Verkehrsverbunds eine monatliche Gebühr – dafür bekommt man jedoch beim Mieten eines Autos Freiminuten bzw. Vergünstigungen. Allerdings fehlen auch in diesem Angebot Leihfahrräder und der Wechsel von Verkehrsmitteln innerhalb einer Route. Die Vernetzung der Mobilität hat also durchaus noch Luft nach oben.

Mehr Mobilität

Grundsätzlich würde ich nicht behaupten, dass es keine Mobilität mehr gibt. Ich bin durch die verschiedenen Möglichkeiten sogar deutlich mobiler geworden und habe einige Reisen gemacht, die ich wohl nicht angetreten hätte, wenn nur die Bahn zur Auswahl gestanden hätte. Ich bin bei größeren Besorgungen auch nicht mehr auf Freunde mit Auto angewiesen oder auf das herkömmliche Mieten eines Wagens, welchen ich danach zur Rückgabestation bringen muss, um von dort wieder umständlich nach Hause zu kommen. Stattdessen kann ich mir einfach ein Auto leihen und es überall im Stadtgebiet abstellen, wenn ich es nicht mehr brauche. Auch Parkgebühren fallen durch das Carsharing weg.

Natürlich funktionieren auch die tollsten Mitfahrgemeinschaften oder das Carsharing nicht, wenn die Straßen verstopft oder die Bahnen kaputt sind, denn eine ausreichende Infrastruktur ist – wie schon gesagt – die Grundlage für die Mobilität. Aber selbst wenn die Bahn oder das Auto streikt, hat man heutzutage viele andere Möglichkeiten, um doch noch an sein Ziel zu kommen.

Author: Simone Präg

Kommentare

  • rene.jacobi@inside-cc.de'
    5. Mai 2014

    Leider wird die Grafik nicht angezeigt 😉

    Aber dennoch ein guter und interessanter Artikel.

  • tgi-blog@ok.de'
    6. Mai 2014

    Bei mir klappt es mit der Grafik leider auch nicht, auch nicht anderer Browser. 🙁 Trotzdem wirklich schöner Artikel und cooler Input für die Teilnahme an der Blogparade. Wir haben selbst auch noch kurzfristig mitgemacht (http://blog.tgi-partner.de/teilnahme-an-der-blogparade-gibt-es-ueberhaupt-noch-mobilitaet/), wobei dann ja verlängert wurde. 🙂 Find ich super!

  • 8. Mai 2014

    Hallo Herr Jacobi, hallo TGI-Team,
    danke sehr für Ihre Hinweise. Der 3C-Blog ist kürzlich in unsere Webseite integriert worden und wir tüfteln noch an den kleinen Feinheiten, die beim Testen bis dato nicht aufgefallen sind. Wir haben unsere Spürnasen darauf angesetzt und den Fehler behoben, hoffentlich. Können Sie die Grafiken nun sehen?
    Viele Grüße,
    Christoph Ziegler

  • rene.jacobi@inside-cc.de'
    29. Mai 2014

    Hallo Herr Ziegler,

    jetzt ist das Bild auch zu sehen 😉

    Sorry für die späte Rückmeldung.

    MFG

    René

    • 12. Juni 2014

      Hallo Herr Jacobi,

      alles bestens. Ich habe mir ja mit dieser Antwort auch ein bisschen Zeit gelassen 😀

      Beste Grüße aus Köln,
      Christoph Ziegler

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