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Eindrücke vom Personalmanagementkongress 2010

8
Jul

Am 01. und 02. Juli 2010 fand in Berlin der erste Personalmanagementkongress, organisiert vom BPM, statt. Mehr als 1200 Teilnehmer und rund 120 Referenten ließen die Veranstaltung zu einem belebten und interessanten Forum werden.
Sehr aufschlussreich fand ich die Keynotes von Dr. Markus Merk und von Prof. Dr. Peter Kruse. Merk referierte zum Thema „Führen durch Entscheiden“, basierend auf seinen Erfahrungen als Schiedsrichter. Zusammengefasst ist seine Kernaussage, dass man Entscheidungen sicher treffen kann, wobei sicher nicht gleichbedeutend ist mit richtig oder falsch. Sichere Entscheidungen zu treffen bedeutet, dass man kommuniziert, handelt und diese Aussagen auch lebt.
Merk nennt fünf Basiswerte, Emotionen, die bei sicheren Entscheidungen von Bedeutung sind: Begeisterung, Identifikation, Mut, Verantwortung und Wille. Entscheidungen müssen die Menschen begeistern, sie dürfen nicht lieblos und oberflächlich präsentiert werden. Dazu notwendig ist die echte Identifikation mit dieser Entscheidung, ich muss ehrlich und authentisch dahinter stehen. Bei schwierigen Entscheidungen gehört dazu auch der Mut, das zu leben, zu kommunizieren, umzusetzen und im Zweifelsfalle auch mit Rückgrat eine Fehlentscheidung zu akzeptieren und daraus zu lernen. Dazu gehört Verantwortung für die Entscheidung und die Bereitschaft die Konsequenzen zu tragen. Dass die Entscheidung nicht halbherzig verfolgt wird, sondern mit aller Konsequenz, dazu gehört der Wille dies auch zu tun.

Der erfahrene Schiedsrichter nennt weitere Punkte, die wesentlich sind, um eine Entscheidung sicher zu treffen: Erfahrung bzw. Intuition und Umfeldbeobachtung. Heißt, ich entscheide sicher, aber nicht unbedingt bzw. zwingend richtig, wenn ich viel Erfahrung in dem entscheidungsrelevanten Bereich habe, meine Intuition richtig einschätzen kann und dieses in meine Entscheidung einbinde. Er geht weiter und sagt, wichtig ist die Entscheidung selbst. Egal, ob sie nun richtig oder es nicht ist.

Man kann natürlich nicht immer alles selbst sehen. So sieht man also beispielsweise, hier wird der Schiedsrichter deutlich, nicht ob nun Ecke oder Abstoß zu pfeifen wären. Dann geht es um die genaue Umfeldbeobachtung, denn man kann durch die Reaktionen des Umfelds vieles Herleiten. Dazu benötigt man wieder Erfahrung und Intuition. Ein weiterer Faktor ist das selbstorientierte Entscheiden. So sollte ich auch unbequeme Entscheidungen treffen, wenn ich fest überzeugt davon bin. Dabei darf man sich jedoch niemals die Konzentration nehmen lassen.

Schließlich muss man vernetzt sein. So hatte Merk einen Vibrationsgenerator am Oberarm, den der Linienrichter per Knopf an seiner Fahne auslösen konnte. Umgedeutet in den Managementkontext bedeutet das, ich brauche Leute, die mir Informationen zuspielen. Kurz: gemeinsam wirken und so Erfolge sichern.
Aus der Summe dieser Faktoren kann ich entscheiden. Und zwar sicher. Ob es am Ende richtig war, sehe ich immer erst später. Nur warten eben zu viele mit der Entscheidung auf das „Später“, was dann eher ungünstig sein kann, weil sie nicht entscheiden. Zwar kann das auch eine Form der Entscheidung sein, führt aber häufig zu Stillstand oder Verzögerung. Dennoch, man sollte nur schnell und sicher entscheiden, nicht voreilig.

Bei Fehlentscheidungen, so Dr. Merk, sei es wichtig zu erkennen, ob es sich nun um einen Wahrnehmungsfehler und bzw. oder einen Kompetenzfehler handelt. Letztlich muss man bereit sein, sich die eventuell fehlende Kompetenz zu erarbeiten und den möglichen Druck des Umfelds als Motivation zu sehen und sich den Faktor Spaß resp. Freude bei der Arbeit in jedem Falle zu erhalten.

Ergänzend denke ich, dass solches Vorgehen in einem komplizierten Umfeld mit hoher Wahrscheinlichkeit zu vielen auch richtigen Entscheidungen führt. Schwieriger dürfte es in einem komplexen Umfeld werden, da sollte man, so denke ich, sehr viel mehr Wert auf die Intuition und die ausgeprägte Umfeldbeobachtung legen, so kann es vielleicht gelingen eine Entscheidung zu treffen, die dem u. U. sich ständig verändernden Umfeld gerecht werden kann.

Exkurs:
Die Kompliziertheit beinhaltet viele verschiedene Aspekte, die es gleichzeitig zu berücksichtigen gilt, die Komplexität zeichnet sich ergänzend dadurch aus, dass sich diese Aspekte gegenseitig beeinflussen können und ich diese Beeinflussung gar nicht, teilweise oder nur rudimentär kontrollieren kann. Insofern kann sich in einem komplexen Umfeld die sich vorfindende Lage jederzeit ändern, ohne dass ich dies im Vorfeld hätte absehen können.

Professor Kruses Keynote handelte von den Herausforderungen im Umgang mit sozialen Netzwerken. Im Mittelpunkt steht dabei die von ihm seit langem thematisierte sog. kollektive Intelligenz und den Wirkprinzipien von Netzwerken. Dazu gehören die Anzahl der Netzknoten, der Grad der Spontanaktivität und die länger kreisende Wirkung (nachhaltig kreisende Erregung).

Diese drei Faktoren können zur Autokatalyse und zu emotionalen Resonanzen führen, die sog. Resonanzwellen erzeugen können (siehe beispielsweise die Meldungen und ihre Verbreitungen zu Apples iPad). Das sind Wirkungen, die sich selbst aufschaukeln. Ergänzend kommt hinzu, dass sich Netzwerke heute ihre Handlungsmotive selbst suchen und nicht warten, bis sich ein Motiv anbietet. Dabei gilt vorsichtig zu berücksichtigen, dass sich die Netze, wie gesagt, selbst aufschaukeln! Insofern verschiebt sich die Macht vom Anbieter zum Nachfrager und lebt von einer Art „Mund-zu-Mund-Propaganda“. Motive für diese Entwicklung sind Darstellung, Kreativität und neuerdings der Wunsch, sich zu machtvollen Bewegungen zusammenschließen zu wollen.

Aus der Betrachtung dieser Entwicklungen kann man festhalten, dass Empathie der Kernwert des Handelns sein wird. Das bedeutet, dass eine extrem hohe Wahrnehmung notwendig ist, was in den Netzen los ist (hier sehe ich Parallelen zu Dr. Merks Umfeldbeobachtung).

In Bezug auf die Personalarbeit weist Prof. Kruse auf Effekte hin, die es zukünftig zu beachten gilt. Führend nennt er die bekannten negativ belegten Beispiele wie das Jack Wolfskin-Logoverbot und die Nestlé-Aktion. Er zeigt dabei auf, wie wichtig Transparenz ist und dass Netze nicht unterdrückt werden dürfen. Im Gegenteil, anstatt z. B. nach eigenem Ermessen Werbung zu betreiben, kann man Menschen einladen positive Dinge zu tun und sie evtl. selbst über ein Werbebudget entscheiden lassen. Das bedeutet, sich langfristig von der Wettbewerbsstruktur fort zu entwickeln und stattdessen Kooperationen wahrzunehmen. Eine Kultur der Kooperation ist geprägt von inspirieren, vernetzen und befähigen. Letztendlich kann man auf Netzwerke nur mit Netzwerken reagieren. So fördert man die Kultur von Kooperation in intelligenten Netzen. Ein wesentlicher Aspekt wird dabei sein, einen Kontrollverlust zuzulassen. Alleine kann ich zukünftig nicht mehr alles kontrollieren, sondern habe mich auf die sich ständig verändernden Bedingungen einzulassen, sie entsprechend zu akzeptieren und zu lösen.

Prof. Kruse sieht diese Entwicklungen nicht in den unterschiedlichen Altersstrukturen der Generationen begründet. Denn nach seinen Untersuchungen gibt es die sog. „Digital Natives“ in allen Altersbereichen. Es macht also keinen Sinn, zu warten, bis die Jungen an der Reihe sind. Es ist heute schon entsprechend zu agieren und Teil der Dynamik zu werden. In den Kontext gebracht: die Dynamik nicht unterdrücken.

Eine Aufgabe des Unternehmensleitung wird es damit sein, die Führungskräfte und die Organisation im Umgang mit dem Web 2.0, vielleicht besser Social Media, zu begleiten und die Entwicklungen positiv zu fördern. So präzisiert und stärkt man langfristig die Reputation und das Employer Branding.
Ich denke Kruses Vortrag hat den Kern für das eigene zukünftige Verhalten auf den Punkt getroffen. Das war in Summe ein sehr erhellender Beitrag.
Der Personalmanagementkongress bot noch viele weitere Panelvorträge, von denen ich mir noch einige angehört habe, werde darüber in weiteren Blogbeiträgen berichten. Neben dem perfektem Wetter und der gelungenen „Nacht der Personaler“ im Berliner Admiralspalast waren die zwei Tage in Berlin für mich eine gute Zeit, die ich sehr genossen habe, konnte viele neue Themen und Trends aufnehmen und werde versuchen ein paar dieser Ideen und Möglichkeiten in meine tägliche Praxis einzubringen.

Wer es sich ansehen mag, meine erste Reaktion auf den Kongress wurde in der Zeitung zum Personalmanagementkongress 2010 auf Seite 10 unten rechts abgedruckt. Hier das PDF!

Author: 3C-Team

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