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Die Kunst des Lobens

3
Jan

Im Internet findet sich eine Liste mit Dingen, die während unserer Lebensphase verschwinden werden bzw. zum Teil auch schon verschwunden sind. Manche davon kann ich nachvollziehen – der Scheck, die Postfiliale, die Privatsphäre, das Festnetztelefon. Manches kann ich nicht beurteilen, oder ich kann es mir nicht vorstellen: Musik, Bücher, Zeitungen und Fernsehen.

Sicher bin ich dagegen bei Dingen, die aus meinem Leben bereits verschwunden sind: die alte Schreibmaschine, auf der ich das Zehnfingersystem erlernt habe, die Telefonzelle beim Hallenbad und der Milchmann.

Neben den Dingen, die sich endgültig aus unserem Leben verabschieden, gibt es auch andere, die im Erwachsenenleben an Bedeutung verlieren, aber dennoch weiter existieren, so zum Beispiel das Lob. Die ersten Schritte und ersten Worte eines Kindes werden mit Begeisterungsrufen begleitet, die erste Zeichnung – das wildeste Gekrakel – erhält einen eigenen Bilderrahmen, und das erste Zeugnis wird mit Spannung erwartet. Mit steigendem Lebensalter nehmen die Begeisterungsstürme kontinuierlich ab. Das liegt nicht unbedingt daran, dass weniger geleistet wird. Je älter ein Mensch wird, umso eher geht sein Umfeld davon aus, dass er eigentlich schon weiß, was er gut kann und was nicht. Ein Kind braucht Lob für die Motivation, ein Erwachsener hat auch ohne entsprechendes Feedback immer das Beste zu geben.

Bildquelle: CC-BY Mazoe28 | flickr.com

Brauchen Erwachsene kein Lob?

Das Gegenteil ist der Fall. Aus einer Studie zur Mitarbeitermotivation in Call-Centern geht hervor: Rund die Hälfte der Agenten empfand es als ein Defizit im Führungsverhalten, wenn auf ein regelmäßiges Feedback (zu dem auch das Lob für gute Leistungen gehört) verzichtet wird.

Was ist eigentlich so schwer daran, Mitarbeiter zu loben und damit ihre guten Leistungen anzuerkennen?

Klar, meckern ist viel leichter: „Ich habe doch schon mehrfach darauf hingewiesen, dass …“, „Wer hat denn da schon wieder Mist gebaut?“. Motivierend für Mitarbeiter sind solche Aussagen allerdings nicht.

Vielleicht liegt es daran, dass viele Führungskräfte einfach nicht wissen, wie man richtig lobt. Daher hier nun die ultimative Anleitung:

  1. Sei persönlich! – Lob ist keine Einheitssoße, die wie in schlechten Kantinen einfach über jedes Essen mal eben drübergekippt wird. Pauschallob à la „Ihr seid wirklich ein tolles Team“ oder „Ich weiß doch, was die Mitarbeiter hier leisten.“ hat nur einen geringen Effekt. Persönliches Lob hingegen signalisiert dem Mitarbeiter, dass seine Leistung wirklich Beachtung findet. „Ich fand deinen Umgang mit dem Kunden super! Das war mit Sicherheit heute ein schwieriger Tag mit schwierigen Anrufen, du hast das sehr gut gemeistert.“
  2. Sei konkret!– Ein motivierendes Lob braucht einen klaren Inhalt. „Besonders gut hat mir gefallen, wie du xy formuliert hast.“, „Ich habe gemerkt, wie viel Mühe du dir mit diesem Kunden gegeben hast.“: Das funktioniert auch bei Männern („Toll, dass du den Müll schon mit runtergenommen hast.“) und bei Kindern („Das Zimmer alleine aufgeräumt? Ich freue mich.“)
  3. Sei zeitnah! – Für ein motivierendes Lob gibt es nur ein kleines Zeitfenster, welches sich unmittelbar nach dem Ereignis öffnet. Zwei Wochen später eine gute Leistung zu bewerten, ist schwierig und wird auch vom Mitarbeiter nicht mehr richtig einsortiert. Wenn man gerade ein schwieriges Telefonat hinter sich hat und den Hörer mit dem Gefühl auflegt, dass man richtig gut reagiert hat, dann kann diesbezügliches Lob einen Tag und manchmal auch die Woche retten.
  4. Sei authentisch! – Die Formulierung des Lobes muss zu dir und deiner Art passen. Auswendig gelernte Formulierungen wirken mehr als künstlich. Außerdem spürt jeder Mitarbeiter, wann ein Lob echt ist und wann nicht.
  5. Nur wer lobt, darf auch meckern!

Und natürlich gilt auch hier: üben, üben, üben! In diesem Sinne – Lob ahoi!

Author: Judith Müller-Krohn

Nach längerer Tätigkeit als Studienleitung im Bereich Marktforschung ist Judith Müller-Krohn seit 2008 bei der 3C DIALOG Projektleiterin für den Bereich E-Learning. Die Entwicklung von E-Learning-Modulen, die konzeptionelle Betreuung von Fachschulungen, der Aufbau projektspezifischer Wikis sowie der Personalrekrutierung bilden den Schwerpunkt ihrer Arbeit.

Kommentare

  • andre.wegner@gmail.com'
    19. Januar 2012

    Auch wenn es Dir in Deinem Posting eher um das Lob von Mitarbeitern ging, hat nicht nur der erste Teil hat wunderbar Gedanken formuliert, die mir durch den Kopf gehen, wenn ich meine Tochter lobe. Mit gerade mal zweieinhalb Jahren, macht sie laufend Entwicklungssprünge und überrascht mich nahezu jeden Tag mit Fähigkeiten, die sie vor kurzem noch nicht konnte. Lob hört sie folglich oft. Und ich versuche dabei, auch wenn ich mir darüber nicht so bewusst war, Lob nach den von Dir skizzierten Grundsätze auszusprechen.

  • info@nadinepfeiffer.de'
    26. Februar 2013

    Ich denke, beim Loben der Mitarbeiter kommt es in erster Linie darauf an, dass die Mitarbeiter das Lob ernst nehmen können und es sich nicht als taktisches Lob entpuppt, um die MItarbeiter zu mehr Leistung anzutreiben. Also besser konkret und persönlich, wie Sie geschrieben haben.
    Fraglich ist allerdings, ob man Mitarbeiter wirklich nachhaltig durch Lob motivieren kann oder ob sich durch die mit dem Lob verbundene Anerkennung und Wertschätzung vor allem auf die Zufriedenheit auswirkt.

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