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Die Folgen der Digitalisierung in der Versicherungsbranche

Die Folgen der Digitalisierung in der Versicherungsbranche
7
Nov

Wo finde ich den günstigsten Stromanbieter? Welche Versicherung bietet mir die besten Konditionen? Welcher Mobilfunktarif hat die höchste Bewertung? Es gibt wohl fast niemanden, der nicht im Vorfeld solcher Kaufentscheidungen im Internet recherchieren würde und dort auf Vergleichsportale wie Check 24, Verivox oder Idealo stößt. Über eine Suchmaske kann man die Anforderungen an das gewünschte Produkt passgenau definieren und erhalt innerhalb von Sekunden eine Liste mit Ergebnissen, anhand der man sich einen guten Überblick über Leistungen und Preise verschaffen kann. Wenn man sich für ein Produkt entschieden hat, hat man zumeist die Möglichkeit, es direkt über das Vergleichsportal zu den günstigsten Konditionen zu bestellen. Das gilt auch für den Wechsel des Stromanbieters und den Abschluss von Versicherungen.

Wer profitiert von wem?

Die Vorteile von Vergleichsportalen liegen für den Verbraucher scheinbar auf der Hand. Man kann bequem von zu Hause aus innerhalb kürzester Zeit alle relevanten Informationen für seine Kaufentscheidung bekommen und ebenso unkompliziert und schnell mit ein paar Klicks auch den Kauf selbst tätigen. Der spezielle Service der Vergleichsportale gibt dem Verbraucher das gute Gefühl, seine Entscheidung anhand einer neutralen und objektiven Bewertung treffen zu können. Aber Anbietern wie Check 24, Verivox und Co. geht es bei ihrem Angebot natürlich nicht nur um Verbraucherschutz oder Transparenz. Während der Service für Verbraucher kostenlos ist, müssen Unternehmen für den Vertrieb ihrer Produkte nicht unerhebliche Provisionen bezahlen. Beim Abschluss einer Kfz-Versicherung mit einem durchschnittlichen Prämienvolumen von 380;- Euro nach einem Jahr wird etwa eine Vermittlungsprovision zwischen 75,- Euro und 100,- Euro fällig. Somit sind für Versicherer die Vertriebskosten via Vergleichsportal verhältnismäßig hoch. Zwar erreichen gerade kleine Anbieter mit regionalem Bezug durch den Vertrieb über die großen Plattformen neue Kundenkreise. Dies bringt aber für die Unternehmen auch neue strukturelle Anforderungen mit sich, die gestemmt werden müssen.

Auch der Verbraucher zahlt!

Wer schon einmal ein Vergleichsportal genutzt hat, hat sich vermutlich über die detaillierte Datenerhebung gewundert. So kann es leicht sein, dass bei der simplen Anfrage für eine Kfz-Haftpflichtversicherung der komplette Datenbestand der Familie erhoben wird (Anzahl der Kinder und deren Geburtsdaten etc.) Dies geschieht mit dem Verweis darauf, die günstigsten Konditionen errechnen zu können. Ob diese persönlichen Daten wirklich nötig sind, bleibt offen. Wertvoll sind diese Daten für die Unternehmen jedoch auf jeden Fall.

Wie objektiv sind die Portale wirklich?

Da der Service der Vergleichsportale ein lohnendes Geschäftsmodell darstellt, stellt sich natürlich auch die Frage nach der Objektivität der Bewertungen. Die deutsche Stiftung Warentest bewertete die Portale in der Vergangenheit zumeist kritisch. Die Portale leben letztendlich davon, dass die Produkte und Leistungen erfolgreich über sie verkauft werden und damit die Provision des Anbieters fällig wird. Jedoch bieten nicht alle Anbieter ihre Produkte über die Portale an. Und wer nicht zahlt, erscheint erst am Ende der Liste. Grundsätzlich sind Verbraucher also gut damit beraten, auch die Angebote von Verbrauchsportalen miteinander zu vergleichen, um einen möglichst guten Überblick über den Markt zu erhalten.

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Google Compare

Dass das Geschäftmodell einen lukrativen Markt darstellt, darauf deutet auch der angekündigte Einstieg von Google in diesen Bereich hin. Mit Google Compare plant das Unternehmen ein Vergleichsportal für Kfz-Versicherungen, dessen Start allerdings bisher schon mehrfach verschoben wurde. Der Internetriese verspricht sich vor allem von der Auswertung von Nutzerprofilen einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Die Wettbewerber am deutschen Markt reagierten bereits: Verivox übernahm das Onlineportal Transparo und startete Mitte 2014 im Rahmen einer Zusammenarbeit mit HUK-Coburg den Exklusivvertrieb der Kfz-Versicherungen von HUK24. Check 24 sondiert Übernahmezeile in der Reisebranche. Zudem setzt das Unternehmen auch auf persönliche Beratung, um sich von der drohenden Konkurrenz durch Kundenservice abzusetzen. Etwa 250 Mitarbeiter sind derzeit für das Unternehmen im Callcenter tätig.

Wettbewerb bringt Bewegung in den Markt

Die Pläne von Google führen auch zu längst fälligen Veränderungen bei den Versicherern selbst. Die Allianz arbeitet an einer Digitalisierungsoffensive, die sich das Unternehmen einiges kosten lassen will. Ziel ist es, sämtliche Versicherungsprodukte online anbieten zu können. Dafür gilt es, die bestehenden Produkte an die Anforderungen des Internets anzupassen. Diesen Weg sind Unternehmen wie HUK-Coburg mit der Sparte HUK24 bereits erfolgreich gegangen. Dennoch haben in der Versicherungsbranche viele Unternehmen lange Zeit auf den klassischen Vertrieb gesetzt und haben sich erst spät den Herausforderungen gestellt, die die Digitalisierung mit sich bringt. Um am Markt bestehen zu können, müssen sich die Unternehmen an den Wünschen ihrer Kunden orientieren und diese dort ansprechen, wo sie zu finden sind – nämlich in einer digitalisierten Welt. Ob nun jedes Versicherungsprodukt im Netz das richtige Angebot für den Verbraucher darstellt, wird sich vermutlich erst im Schadensfall zeigen. Letztendlich geht es darum, dass sich die Unternehmen den veränderten Ansprüchen an den Kundenservice anpassen müssen. Das gilt für alle Branchen – auch für Versicherungen.

Author: Andrea Farnung

Andrea Farnung arbeitet seit 2010 im Unternehmensverbund und ist seit 2014 für die Unternehmenskommunikation von 3C DIALOG verantwortlich.

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