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Call Center klassifiziert sich nach Verordnung (EG) Nr. 29/2002

29
Aug

Welcher Branche werden Call Center zugeordnet?

Zu welcher Branche zählen eigentlich Call Center? Diese Frage stellt sich durchaus, denn Bundeskanzlerin Angela Merkel will künftig keine Branchen ohne Tarifvertrag dulden, meldete die dpa Ende der vergangenen Woche. Auch in der Zeitarbeit waren Branchenzugehörigkeiten und damit auch Branchenzuschläge ein großes Thema – es gilt also, die Zuordnung eindeutig zu klären.

Die Frage, zu welcher Branche ein Call Center gehört, ist insbesondere dann interessant, wenn es sich um ein externes Call Center handelt. Denn hier werden in der Regel Kundenbeziehungen ganz unterschiedlicher und branchenübergreifender Auftraggeber bearbeitet. Anders verhält es sich bei einem Inhouse-Callcenter. Denn dieses bietet die Dienstleistung „nur“ für das eigene Unternehmen an – somit verläuft die Klassifizierung automatisch.

Doch zurück zu der Branchenzugehörigkeit des externen Dienstleisters. Grundsätzlich werden Branchen überwiegend nach der Art der Leistung, die ein Unternehmen erbringt, in drei klassische Wirtschaftssektoren eingeteilt: Rohstoffgewinnung – Fabrikation und Materialverarbeitung- Dienstleistungen. Innerhalb der EU wird im EU-eigenem Geltungsbereich eine eigene Statistik über die unterschiedlichen Wirtschaftszweige geführt. Und dort werden alle gängigen Leistungen einer bestimmten Klassifizierung zugeordnet und mit einem Code belegt. Tatsächlich findet der aufmerksame Leser in der Verordnung (EG) Nr. 29/2002 vom 19.12.2001 (Nace Rev. 1.1) die (Neu) Aufnahme von Call Centern – na, wer sagt es denn? Die Zuordnung der Call Center erfolgt zur „Erbringung von sonstigen unternehmensbezogenen Dienstleistungen“.

Call Center wurden 2001 in die Verordnung aufgenommen

Fazit: Bin ich in der telefonischen Kundenbetreuung eines Versicherungsunternehmens beschäftigt, tue ich dies im Wirtschaftszweig Handel, Banken, Versicherungen. Übe ich die gleiche Tätigkeit für einen Versicherer outgesourct in einem Call Center aus, wird die Tätigkeit der Branche „Sonstige Dienstleistungen“ zugeordnet. Bei genauerer Reflektion ist dies aber gar nicht so untypisch. Bin ich beispielsweise als Ingenieur an der Entwicklung von Maschinen im metallverarbeitenden Gewerbe tätig, unterfällt die Tätigkeit aus dem Blickwinkel der Tarifzugehörigkeit dem Bereich Metall- und Elektro. Bin ich als Ingenieur im Straßenbau für den öffentlichen Sektor tätig, unterfällt die Tätigkeit im Zweifel dem öffentlichen Dienst. Es ist also nicht die Tätigkeit, die die Branche bestimmt, sondern das Produkt des Unternehmens, das einer Branche oder einem bestimmten Wirtschaftszweig zugeordnet wird.

Der Verbraucher sucht in der Regel an der Hotline zuverlässige, schnelle und kompetente Hilfe. Die Branchenzugehörigkeit dürfte ihn dabei wenig interessieren. Für die Mitarbeiter und auch die Unternehmer ist die Zugehörigkeit allerdings in vielerlei Hinsicht von Relevanz.

Author: Ines Domernicht

Als Leiterin für den Bereich Personal und Recht unterstützt Ines Domernicht den Unternehmensverbund seit 2011. Bei der 3C DIALOG GmbH ist sie verantwortlich für die Standorte Köln und Saalfeld.

Kommentare

  • petra@web.de'
    Petra Morsfeld
    18. September 2013

    Mal ganz ehrlich – der Blogbeitrag liest sich wie die Abschrift aus einer EU-Verordnung. Gähn! Schreibt doch mal aus Eurem Unternehmen. Dann wüsste man, wo man sich bewirbt – wenn man es dann macht:-)

  • Judith Tausendfreund
    26. September 2013

    Hallo Petra,

    ja, Rechtsprechung mag zuweilen auch einmal langweilig sein – für Unternehmen sind damit aber häufig viele spannende Konsequenzen verbunden. Wenn du uns besser kennen lernen möchtest, schau doch mal auf unserem Facebook Account vorbei – http://www.facebook.com/3CDIALOG – wir freuen uns über neue Fans 🙂

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