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Abseits starrer Hierarchien den Mitarbeitern mehr Verantwortung übertragen – ein IHK-Lehrgang

22
Mrz

Vor einigen Wochen hat der IHK-Projektmanagement-Lehrgang begonnen, den ich u. a. gemeinsam mit einigen Projektmanagern aus unserem Kundenkreis besuche. Im Lehrgang geht es um das Vertiefen von methodischen Projektmanagement-Kompetenzen anhand von praktischen und konkreten Fallübungen. Einen deutlichen Mehrwert gewinnt der Lehrgang durch sehr interessante und aktuelle Informationen, die immer wieder zu einem kleinen „Aha-Erlebnis“ führen.

Einige dieser Kernbotschaften – sicherlich mehrmals gehört, aber immer wieder lesenswert – möchte ich nachfolgend aufführen:

„Goldgräber übersehen oft Diamanten“

(Bildquelle: CC-BY Tom in NYC | flickr.com)

(Bildquelle: CC-BY Tom in NYC | flickr.com)

In einem Umfeld, das den allgemeingültigen und bekannten Marktgesetzen gehorcht, bleibt den Unternehmen und deren Entscheidern selten Zeit, sich immer wieder selbstkritisch zu hinterfragen und auf die Marktentwicklungen zu reagieren.

Man ist viel zu sehr auf sein „Kerngeschäft“ fokussiert, sodass man sein Umfeld kaum noch wahrnimmt. Dr. Robert Freund, Referent des Lehrgangs, drückte dies im Lehrgang mit der bekannten Weisheit „Goldgräber übersehen oft Diamanten“ treffend aus.

Als grandioses Beispiel muss einmal mehr die Firma Apple herhalten, die vor der Einführung des ersten iPhones sicherlich von den wenigsten „Big Playern“ der Mobilfunk-Technologie (Nokia, Siemens & Co.) ernsthaft als Mitbewerber eingestuft wurde. Heute erwirtschaftet Apple mit dem iPhone und iPad den größten Umsatz. Nokia selbst gelang dieses Kunststück der Neuinterpretation seiner selbst vor 25 Jahren, als man von der Gummistiefelproduktion auf Mobilfunktechnik umschwenkte. Der Suchmaschinengigant Google tat nichts anderes, als er die damaligen Platzhirsche Microsoft und Yahoo quasi über Nacht vom Thron stürzte.

(Bildquelle: CC-BY glen edelson | flickr.com)

Das Unternehmen Kodak, das die Fotografie maßgeblich entwickelte und prägte wie sonst kein anderes Unternehmen, steht heute vor den Scherben des verblassten Erfolgs. Hier wurde die Fokussierung auf das Kerngeschäft zum tragischen Verhängnis.

Auf die Frage des Referenten, wer nach Google die zweitgrößte Suchmaschine sei (gemessen an den Suchanfragen), antworteten manche der Seminarteilnehmer mit „Bing“, andere mit „Yahoo“, aber alle waren wir uns einig, dass es einer der beiden sein müsste. Weit gefehlt! Es ist „Baidu“ – die größte Suchmaschine in China und die zweitgrößte weltweit. Dies mag zwar auch ein Stück weit an gewissen Restriktionen im chinesischen Raum liegen, das Beispiel unterstreicht aber dennoch, wie wichtig es ist, sein Blickfeld nicht nur auf den unmittelbaren Wettbewerb zu beschränken.

So sinnvoll die Fokussierung und Rationalisierung mancher Unternehmen auf Kern-/Kompetenzen/Markt/Umfeld/Branche in manchen Fällen auch sein mag, so riskant kann Sie für andere Unternehmen sein.

„Der Mitarbeiter als Wertanlage“

Mitarbeiter bzw. Personal sind im Auge des Controllers (damit häufig im Auge des Unternehmers) Kosten. Das damit verbundene Wissen, die Erfahrung, die Ideen und Innovationskraft werden aber selten betriebswirtschaftlich ermittelt und erfasst. Kaum jemand käme zum Beispiel auf die Idee, den kürzlich verstorbenen Erfinder und Visionär Steve Jobs in seinem Unternehmensumfeld als Kostenfaktor zu betrachten. Ohne Übertreibung war er zweifelsohne das größte und wertvollste Kapital seines Arbeitgebers. Nun steckt nicht in uns allen ein Steve Jobs, das braucht es auch nicht, denn im spezifischen Einsatzgebiet jedes einzelnen, verfügt der Mitarbeiter über wertvolles Know-how, Erfahrung, Kreativität und Ideen. Sinnvoll und effizient eingesetzt, können Unternehmen einen noch größeren Mehrwert aus den „human resources“ schöpfen.

Dr. Freund berichtete in diesem Zusammenhang von einigen deutschen Unternehmen, die bereit erste Erfahrungen damit gesammelt haben, Mitarbeiter betriebswirtschaftlich nicht nur als Kosten, sondern mithilfe der „Wissensbilanz – Made in Germany“ als intellektuelles Kapital darzustellen.

„Raus aus dem Büro, rein ins Geschehen“

(Bildquelle: CC-BY horax zeigt hier | flickr.com )

Die New-Economy-Unternehmen haben uns mit ihrer schieren Leichtigkeit und Unbeschwertheit ein neues und durchaus interessantes Bild eines modernen Arbeitsumfelds gezeigt. Mag das Konzept offener, bunter und lichtdurchfluteter Räume mit einer Vielzahl an bequemen und fast schon gemütlichen Arbeitsecken und unzähligen „Meeting-Points“ etwas zu verspielt anmuten, übernehmen immer mehr Unternehmen dieses Konzept. Und das aus gutem Grund:

Denn hinter einem vergleichsweise leicht zu bewerkstelligen räumlichen Umbaus oder Umzugs, steht meistens eine komplizierte und auf zwischenmenschlicher Ebene sehr konfliktträchtige Umstrukturierung der Unternehmensorganisation voran. Weg von den Vorzimmerbüros, den Titeln und Privilegien, den Abteilungen und Hierarchien, hin zu dynamischen Projektorganisationen, verantwortungsvollen und mündigen Mitarbeitern. Die klassische Aufbauorganisation schottet den Mitarbeiter häufig vom Rest des Unternehmens ab. Die eigene Abteilung wird zum Unternehmen. Die Aufbauorganisation, so Dr. Freund, geht  nicht selten in Geist und Seele der Mitarbeiter über. Dies führt dazu, dass die Unternehmensziele nicht mehr im Blickfeld des Handelns sind. Verantwortlich ist sowieso Abteilung B, und Abteilung C konnte eh niemand leiden. Hingegen fördert ein offenes Arbeitsumfeld, untermauert durch eine entsprechend moderne Unternehmensorganisation, die Kommunikation und Innovation im Unternehmen. In diesem Zusammenhang ist auch häufig die Rede von „Crowdsourcing“, das in diesem Kontext weniger den technischen Aspekt bezeichnet, sondern das Einbeziehen verschiedener interner und externer Mitarbeiter und Kunden mit einem breitgefächerten Wissens-, -Ideen und -Meinungsschatz zur Lösung bestimmter Aufgabenstellungen.

Mit den steigenden Anforderungen rückt die Lösungskompetenz eines Unternehmens immer stärker in den Fokus. Eine moderne Unternehmensorganisation kann hier den entscheidenden Vorteil bringen. Wenn dies auch nicht ein Allheilmittel für alle Zwecke darstellen kann (und soll), so sind viele Unternehmen sicherlich gut darin beraten, Veränderungen mit mehr Offenheit und weniger Skepsis gegenüberzustehen.

Wenn sich die Zeit finden lässt, werde ich gerne nach Abschluss des Seminars noch einmal ein kurzes Update nachlegen. An dieser Stelle sei auch der Blog von Herrn Dr. Freund wärmstens empfohlen!

Author: 3C-Team

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