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15 Kriterien: Was macht eigentlich einen guten Ausbilder aus?

26
Sep

Die Gründe, warum ein Mitarbeiter gerne die Ausbildereignungsprüfung durchlaufen und Ausbilder werden möchte, sind unterschiedlich. Die einen haben eigene Erfahrungen gemacht und möchten zukünftigen Auszubildenden eine bessere Ausbildung ermöglichen, andere sind durch ihre tägliche Arbeit und die Zusammenarbeit mit Auszubildenden auf die Idee gekommen, selbst als Ausbilder tätig zu sein. Doch was macht einen guten Ausbilder eigentlich aus? Und wie wird man Ausbilder? Welcher Prüfung muss man sich unterziehen? Norbert Rottmann ist seit einigen Jahren als Ausbilder bei 3C DIALOG tätig und geht diesen Frage nach.

Seit August 2009 ist eine novellierte Ausbilder-Eignungsverordnung (AEVO) in Kraft. Das Kompetenzprofil von Ausbildern und Ausbilderinnen wird darin vor dem Hintergrund der aktuellen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und berufs- und arbeitspädagogischen Entwicklungen in vier Handlungsfeldern beschrieben, die sich am Ablauf der Ausbildung orientieren. Zu Beginn dieser Eignungsprüfung wird jeder Teilnehmer gefragt, warum er/sie diese Prüfung absolvieren möchte.

Warum ich als Ausbilder arbeite

Norbert Rottmann mit den Auszubildenden Jan und Thorsten

Auch mir wurde diese Frage gestellt. In meiner Ausbildung machte ich die Erfahrung, die wahrscheinlich auch viele andere Auszubildende schon gemacht haben: Mir fehlten die Transparenz und ein Ausbilder, der sich wirklich um mich gekümmert hat. Ich kam mir als „günstige“ Arbeitskraft und nicht als vollwertiges Mitglied vor. So kann eine Ausbildung doch nicht stattfinden, dachte ich mir und meldete mich zwei Jahre nach meiner Ausbildung bei der IHK an, um meine Ausbildereignungsprüfung abzulegen.

Nachdem ich nun als Ausbilder einige Jahre tätig bin, kann ich sagen, dass ich für mich die richtige Entscheidung getroffen habe. Ausbilder zu sein, heißt nicht nur eine Gliederung der Ausbildung zu erstellen oder einfach ein offenes Ohr für die Auszubildenden zu haben. Nein, für mich spielt das „Kümmerer-Prinzip“ eine immens große Rolle. Bin ich jetzt ein guter Ausbilder? Das vermag ich nicht zu beantworten, da es immer subjektiv und von Azubi zu Azubi unterschiedlich wahrgenommen wird. Eines kann ich allerdings sagen: Ich kümmere mich und versuche – dank der tatkräftigen Unterstützung meiner Kollegin – die Ausbildung in all ihren Facetten lehrreich, mit Humor und Zielorientierung sowie abwechslungsreich zu gestalten. Und das macht mir und unseren Auszubildenden Spaß und führt zu einem erfolgreichen Abschluss.

Norbert Rottmann ist seit einigen Jahren als Ausbilder für 3C DIALOG tätig

Doch sind wir einmal ehrlich: Viele nutzen die Ausbildereignungsprüfung auch dafür, den eigenen Lebenslauf zu „pimpen“, und andere legen die Prüfung ab, weil diese als Baustein für zukünftige Weiterbildungen benötigt wird.

Woran erkenne ich einen guten Ausbilder?

Diejenigen unter Ihnen, die eine Ausbildung absolviert haben, haben sicher ein ganz klares Idealbild eines Ausbilders im Hinterkopf. Doch was zeichnet einen guten Ausbilder eigentlich aus? Und: Sind ehemalige Auszubildende motivierter als die, die sich dieser Prüfung aus „Notwendigkeit“ heraus stellen?

So einfach kann man diese Fragen natürlich nicht beantworten, denn rein formal unterscheiden sich die Qualifikationsanforderungen je nach Betriebsgröße, Wirtschaftsbereich, Branche und Funktion. Während es in Großbetrieben überwiegend eine Arbeitsteilung zwischen Ausbildungsleitung, Ausbildern und Fachkräften gibt, so werden in kleinen und mittleren Unternehmen diese Aufgaben meistens von den verantwortlichen Ausbildern übernommen. Als zukünftige Lernprozessbegleiter müssen sich Ausbilder und Ausbilderinnen auf die unterschiedlichsten Ausbildungssituationen einstellen und vorbereiten können.

Doch woran erkennt man nun einen „guten“ Ausbilder? Im Berufsausbildungsgesetzt (BBiG) heißt es, dass der Ausbilder persönlich und fachlich geeignet sein muss. Darunter kann man so einiges verstehen. Ich habe daher versucht, in der folgenden Liste Kriterien zusammenzustellen, die ein Ausbilder erfüllen sollte.

15 Kriterien, die ein Ausbilder erfüllen sollte

(Bildquelle: CC BY-ND 2.0 Tekke | flickr.com)

Den einen perfekten Ausbilder gibt es mit Sicherheit nicht. Menschen haben Stärken aber auch Schwächen – jeder von uns. Aber wenn wir einmal die Eigenschaften zusammentragen, die ein perfekter Ausbilder verkörpern sollte, dann wären es wohl die folgenden:

  1. kommunikativ
  2. fachlich kompetent
  3. kann das Wissen anschaulich und verständlich vermitteln
  4. kritikfähig
  5. gerechter und respektvoller Umgang mit den Auszubildenden
  6. pflichtbewusst
  7. einfühlsam
  8. freundlich und ausgeglichen
  9. hilfsbereit
  10. motivierend
  11. unabhängig
  12. erfüllt eine Vorbildfunktion
  13. Ansprechpartner bei Problemen
  14. für den Auszubildenden präsent
  15. setzt sich für den Auszubildenden ein

Was man aber der Gerechtigkeit halber sagen muss: Jeder Ausbilder, egal welche Motivation ihn dazu bewegt hat, die Ausbildereignungsprüfung abzulegen, kann nur dann gute Arbeit und Unterstützung leisten, wenn der Auszubildende mitarbeitet und motiviert ist. Sie sind eben ein Team.

Und noch etwas: Diese Liste ist nicht der Weisheit letzter Schluss. Wenn Ihnen noch weitere Kriterien einfallen, so freue ich mich, wenn Sie diese in dem Kommentarbereich unter diesem Beitrag posten.

Author: Norbert Rottmann

Seit 2009 ist Norbert Rottmann für die 3C DIALOG tätig. Er verantwortet den Bereich Projektcontrolling und ist ein ausgewiesener Experte in den Bereichen Qualitätsmanagement und der Qualitätssicherung.

Kommentare

  • helena89@emailn.de'
    27. September 2012

    Hallo Norbert!
    Danke für einen guten Artikel. Ich finde, es ist sehr wichtig für Auszubildende einen guten und aufmerksamen Ausbilder zu haben. Der Punkt 12 „erfüllt eine Vorbildfunktion“ in Ihrer Liste vereinigt mehrere wichtige Kriterien. Wenn man sich für einen bestimmten Beruf entscheidet, braucht man oft ein gutes Vorbild zu haben. Und hier geht es nicht nur um gutes Fachwissen, sondern auch um die Bereitschaft und den Wunsch, anderen zu helfen. Das Kriterium „motivierend“ würde ich als erste erwähnen:)
    Freundliche Grüße
    Elen

  • Norbert Rottmann
    1. Oktober 2012

    Hallo Elen,

    vielen Dank für Ihr Feedback. Natürlich haben Sie Recht, dass die Motivation etwas unabdingbares ist, allerdings ist die Checkliste nicht als Rangliste zu verstehen. Auch hier bin ich der Meinung, dass die Subjektivität eine große Rolle spielt.

    Freundliche Grüße
    Norbert Rottmann

  • Pingback: 3C Blog » Ausbildung gesucht? Ausbildung gefunden! » By Judith Tausendfreund

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